Der letze seiner Art

Thriller

Ein etwas kauziger Amerikaner, lebt zurückgezogen in einem kleinen von seiner Grossmutter geerbten Häuschen in Irland. Im Lauf der Geschichte erfährt man immer mehr über ihn und seine Eigenheiten und seinen faszinierenden Lebenslauf. Zudem sind da auch ein paar einheimische Charaktere der Touristenstadt zu erwähnen : der neugierige, jedoch korrekte Pöstler, eine Hotelmanagerin mit klischeehaften roten Haaren und einem patenten Bruder, sowie eine nette, ältere Bibliothekarin. Dazu koammt der Arzt, der als in etwa der einzige Vertraute des Hauptdarstellers im Ort ist, und ganz am Rand ein paar Polizeibeamte und der ehemalige Vorgesetzte. Aber keiner dieser Akteure wird wirklich ausgelotet und spielt mehr als eine Nebenrolle. Das reicht eigentlich vollauf, denn der Hauptfaden der Geschichte braucht ein paar Farben und Aspekte zusätzlich zum eigentlichen Geschehen, nicht um aufzulockern, sondern um zu untermalen und die Absurditäten herauszuheben. Einerseits die unglaubliche Geschichte des Helden und andererseits der gewöhnliche, jedoch weder für ihn noch die beschriebenen Protagonisten nicht nur einfache Alltag um ihn herum.

Ein Eschbach wär keiner, wenn es nicht um eine mögliche Version der nahen Zukunft ginge, um Experimente, die uns in Griffnähe scheinen oder die es vielleicht sogar sind. Da das Buch vor 15 Jahren erschienen ist, und in der allgemeinen weltpolitischen Wetterlage um so mehr. Um die Geschichte zu verankern, wird jedes Kapitel mit Senecas Philosophie verknüpft. Auch dies hat mich während dem Lesen des Romans zu weiterführenden Überlegungen angeregt, soweit, dass ich mir doch irgendwann etwas mehr von Seneca, als nur, die mir damals in der Schule im Lateinunterricht zu übersetzenden Texte, zu Gemüte führen möchte.

Im Grunde ist es eine Geschichte, die aufzeigt, was der Mensch bereit ist, zu tun, um Träume zu verwirklichen, aber auch um die Frage, wie ein Mensch zu solchen Träumen erst kommt. Wer von der Idee des Geheimnisses, dass er ist, fasziniert ist, sollte auf jeden Fall auch diese Aspekte anschauen. Der Protagonist stellt es so dar, dass ihm seine Träume durch das Schicksal erwachsen sind. Sein Schicksal hat ihn geprägt und seine Träume haben sein Leben geprägt. Er konnte seine Träume verwirklichen und er scheint in Folge davon die eher unschönen Konsequenzen seiner Träume angenommen und gelebt zu haben.

Für mich geht es hier mehr um die philosophische Frage, wie man ein gut gelebtes Leben lebt, als um eine Action-geladene, spannungsreiche Geschichte. Action ist Nebensache, genauso wie die Polizeiuntersuchungen, sie sind sozusagen das Skelett der Handlung, das Fleisch und Blut sind Seneca und der Held selber.

Die Fragen, wie weit die Menschheit in ihrer Technikgläubigkeit gehen wird, was gewissen Personen ein Menschenleben wert ist und wie betroffene Personen mit Menschenleben, den eigenen und denen der anderen, umgehen, werden gestellt, nicht beantwortet. Aber sie sollten für uns heute mehr denn je nicht nur leer im Raum stehen. Für mich stellt sich am Schluss dieses Buchs nicht die Frage, wer Menschlichkeit überhaupt für sich beanstanden kann, sondern wie weit jeder von uns fähig ist, Menschlichkeit im Alltag und gemäss unseres Schicksals zu leben.

Endlich wieder Mal ein Buch, dass ich einfach nicht weglegen konnte, und das mich zu weiteren Lektüren inspiriert hat, mehr von Eschbach sowieso, aber eben auch dazu  Seneca wieder auszugraben.

Andreas Eschbach : Der letzte seiner Art. 4. Aufl. Bergisch-Gladbach : Bastei-Lübbe, 2005. ISBN 3-404-15305-7

Author: a bit of everything and beyond

music lover with no aspiration to be a critique, but who gave in to a need to vent a bit online and who decided to do that on one of my hobbies, after a particularly intense concert

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